Frische Impulse aus dem Switzerland Innovation Park Biel/Bienne

Freitag, 04. März 2016

Wie revolutionieren Bewegungssensoren die Sportwelt, lassen sich Geburten verkürzen und verändern metallische 3D-Verfahren Produkte? Start-ups und Experten im Bieler «Switzerland Innovation»-Standort lieferten Antworten.

«Läufer leichtfüssiger machen»
Die Axiamo GmbH ist eine der im Bieler Park ansässigen Startups. CEO Michael Gasser und Software-Spezialist Benjamin Habegger zeigten, wie an den Füssen von Läufern befestigte Bewegungssensoren mit Hilfe eines Algorhytmus punktgenau u.a. die Bodenkontaktzeit und Schrittfrequenz messen. Mit diesen aus dem Training via Bluetooth vermittelten Daten lassen sich wichtige Analysen der Leistung und des Potenzials von Leichtathleten machen. Auch lässt sich diese Technologie beim Fussballspiel und anderen Sportarten einsetzen und konnten bereits erste Erfolge verbucht werden: So ist die Schweizer Radsportmannschaft Zweite an den Bahnfahrten-Weltmeisterschaften geworden. Das intelligente System darf allerdings nicht im Wettkampf angewandt werden, «um nicht den Verdacht auf Technologie-Doping zu erwecken», wie am Anlass betont wurde.

«Das Baby schon schaukeln»
Innovation entsteht oft auch aus einem Missstand und dient dann der Erneuerung beziehungsweise Verbesserung von Prozessen. So werden heute in den OECD-Ländern 28 Prozent der Geburten via Kaiserschnitt durchgeführt. «10 Prozent davon haben keine Auswirkungen auf die Sterblichkeit und erbringen deshalb keinen Mehrwert», erklärte Tobias von Siebenthal, Mitbegründer von Vibwife. Die Crux: Vor einer natürlichen Geburt muss das Baby in die richtige Lage gebracht werden. Die dafür erforderlichen Schaukelbewegungen sind Schwerstarbeit für die Hebammen, wie Siebenthals Lebens- und Geschäftspartnerin Anna Peters aus eigener Erfahrung weiss. Zur deren körperlicher Entlastung haben die beiden Jungunternehmen eine Art Schaukelbett entwickelt. Ziel ist, mit diesem aktiven Geburtshilfe-System die Zahl der ungeplanten Kaiserschnitte und die Gebärzeit auf 1,5 Stunden zu reduzieren.  Um die Idee schnell und erfolgreich in ein marktfähiges Produkt umzusetzen, hat Vibwife die Zusammenarbeit mit dem Innovationspark gesucht. Dieser unterstützt nicht nur mit Coaching, Expertenpool und Finanzierung, sondern auch bei der Entwicklung des Prototypen.

3D-Verfahren und personalisierte Apps
Dr. Felix Reinert, Mitglied der Geschäftsleitung und Forschungsleiter «Advanced Manufacturing Technologies» (AMT), erklärte, wie metallische 3D-Verfahren Produktion und Produkte verändern und beschrieb neue Designmöglichkeiten sowie Sicherheitstechnologien. Die Verbesserung der Effizienz, Präzision und Prozesssicherheit gehören in Biel zu den Kernthemen und werden hier an den eigenen Metall-3D-Druckern und Maschinen getestet.

Michael Schranz von «Apps with love» demonstrierte am Impuls-Anlass, wie personalisierte Applikationen – etwa zur Steuerung des Haushalts oder mobilen Ausbildung – das Kundenverhalten beeinflussen. Bei ihren Entwicklungen (u.a. im Eventbereich) setzt auch die 2010 gegründete Firma zunehmend auf Open Innovation und lässt sich dabei von «industriefremden Personen» inspirieren.                          

Bericht Teil1: Kathrin Cuomo-Sachsse, FASMED-Kommunikation; Fotos: Switzerland Innovation Park Biel/Bienne